Lesung mit einem anschließenden Gespräch
17.11.2025

In einer bewegenden Comiclesung bringt Hannah Brinkmann das Leben des Holocaustüberlebenden Ernst Grube den Lernenden der Stufe 11 der Gemeinschaftsschule Gebhard näher. Als kleines Kind wurde er mit seinen Geschwistern von seinen Eltern aus Verzweiflung in ein jüdisches Kinderheim in München gegeben, später wurde er nach Theresienstadt deportiert. Er überlebte den Holocaust und traf nach seiner Rückkehr auf eine Gesellschaft, die über die vergangenen Verbrechen nicht reden wollte. In der jungen BRD engagierte er sich in der Gewerkschaft und wurde nach einer Demonstration zu einer Haftstrafe verurteilt. Im Prozess begegnet ihm eine Justiz, deren Personal bereits im NS-Staat tätig war.

Ernst Grube berichtet von seiner Wut, aber auch von seiner Entschlossenheit, nicht tatenlos zu bleiben und sich für Solidarität, die Gemeinschaft und den Frieden einzusetzen. Wenn er an die Gegenwart denkt, dann hätte er nicht für möglich gehalten, dass sich wieder eine faschistische Partei großmachen könne, die Formen der Gewalt zunehmen und Minderheiten wieder ausgegrenzt werden. Eine Lernende aus dem Publikum fragt Ernst Grube, welchen Ratschlag er denn für die junge Generation hätte. Sich informieren, Fragen und Probleme diskutieren und sich dabei gegenseitig zuhören, aber auch kritisch bleiben und in den Schulen die Richtigkeit der vielen Informationsmöglichkeiten hinterfragen. Man kann aber auch Aktionen starten oder sich Bürgerinitiativen anschließen, auf jeden Fall sich in der Gesellschaft beteiligen.  

Eindrücklich schildert Hanna Brinkmann, wie intensiv die Recherchearbeit für die vorliegende Graphic Novel war. Drei Jahre sichtete sie Akten, Dokumente und Briefe, führte viele Gespräche mit Ernst Grube und verknüpfte die persönlichen Erfahrungen Grubes mit historischen Fakten und übersetzte diese in die Form eines Comics.

Stephan Beilharz, Geschichtslehrer, moderiert die Veranstaltung und zeigt sich nach der Veranstaltung beeindruckt von Grubes Lebensgeschichte, aber auch von seiner Kraft, die heute viele junge Menschen, aber auch Lehrkräfte bewegt hat. Es sei inspirierend, eine Künstlerin wie Hannah Brinkmann kennenzulernen, die diese Geschichte erfahrbar und nahbar gemacht hat. Eine Botschaft nehme er heute von beiden Gästen mit, nicht tatenlos zu bleiben, wenn Unrecht sich breitmacht.

Anmerkung aus dem SL-Team:

Vielen Dank allen, die im Hintergrund tätig waren, damit dieser Tag so stattfinden konnte:
Besonderen Dank an das Kulturamt Konstanz, an Luise Schauer und Anna Rodriguez
an Ernst Grubes Ehefrau Helga Hanusa und an das Kulturteam der Gebhardschule.